Und wieder eine Ohrfeige für die fränkische Justiz: Mollath nicht gefährlich

Nun amtlich: Prof. Nedopil zeigt – wieder – der bayerischen Justiz die Realität auf:


„Psychiater: Mollath ist nicht gefährlich:

Laut einem Gutachter ist Gustl Mollath keine Gefahr mehr– und darf nicht in der Psychiatrie untergebracht werden. Wir berichten live im MZ-Newsblog.“…

http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/oberpfalz-bayern/artikel/mollath-prozess-neues-gutachten-erwartet/1097688/mollath-prozess-neues-gutachten-erwartet.html

Die erste Verhandlungswoche vor diesem Hintergrund:

http://martindeeg.Wordpress.com/2014/07/11/der-beispielfall-gustl-mollath-so-macht-die-bayerische-justiz-aus-lastigen-menschen-allgemeingefahrliche-straftater/

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11 Gedanken zu „Und wieder eine Ohrfeige für die fränkische Justiz: Mollath nicht gefährlich

  1. „Wann ist einer verrückt? Wenn Psychiater und Gutachter das so sagen. Plädoyer für die Selbsterforschung eines Berufsstandes“

    „Mollaths Wahn und Wahrheit“, SZ-Print, Aussenansicht von Gerrit Hohendorf, TU München, Facharzt für Psychiatrie und Psychothapie:

    …..“Die Geschichte von Gustl Mollath zeigt exemplarisch, wie der Auftrag der Psychiatrie scheitern kann,  menschliches Verhalten zu bewerten und zu prognostizieren. Es ist nicht gelungen, dem schwierigen Menschen Mollath unvoreingenommen und vertrauensvoll zu begegnen. Die Konsequenzen für den Betroffenen selbst, aber auch für die Wahrnehmung der Psychiatrie in der Öffentlichkeit sind gravierend. Es ist deshalb an der Zeit, dass nicht nur die Justiz sondern auch die forensische Psychiatrie Lehren aus der Geschichte zieht.

    Alle Menschen haben das Recht, in ihren Anliegen ernst genommen zu werden, auch wenn der Eindruck entsteht, sie seien „verrückt“ und ihre Wünsche wahnhaft. Sonst geraten psychisch kranke Menschen in gesellschaftliche Isolation.“…

    ….“Bei Begutachtungen, die psychiatrische Zwangsmaßnahmen und Unterbringungen im Maßregelvollzug betreffen, sollte der Gutachter dem Betroffenen unvoreingenommen gegenübertreten. ….Er muss für eine gewisse Zeit die Akten beiseiteschieben und nur die Person anschauen – anders gewinnt kein Gutachter das notwendige Vertrauen des Betroffenen. Bei Mollaths Geschichte fällt auf, dass der einzige Psychiater, dem ein Gespräch mit ihm gelang, die zuvor gestellte Diagnose einer „wahnhaften Störung“ nicht bestätigt fand.“

    ….“So sollte die Geschichte von Gustl Mollath die Psychiater insgesamt zu einer Selbstreflexion ihrer Rolle vor Gericht – und in der Gesellschaft – anregen. Damit möglichst niemand in den Maßregelvollzug  kommt, der dort nicht hingehört.“  

    Nun ja. Leider wird komplett ausgeblendet, dass insbesondere manche Juristen genau das System des Wegsperrens haben, das sie wollen. Und es ist kaum vorstellbar, dass so viele Fehlgutachter nicht wissen, was sie da machen!

  2. Nachdem mir Ihr Kommentar auf Beckblog unter den Fingern weggezogen wurde, habe ich meinen schnell gesichert und stellen ihn unter Ihren Schutz und natürlich zum gedanklichen Austausch hier ein.
    #41
    Lutz Lippke
    31.07.2014
    Hallo Herr Deeg (#38),
    Ihre Erfahrungen zum NRV kann ich bestätigen. Sicherlich sehen sich die Neuen Richter als reformfreudige Alternative zum Richterbund. Aber einen Kontakt mit Nichtjuristen und Reaktionen auf die Probleme im Verhältnis zwischen Gesellschaft und Justiz meidet der NRV bzw. äußert sich mit sehr einseitigem Blickwinkel.
    Ein Beispiel:
    Anfang August 2013 wird Mollath nach 7 Jahren Forensik und großem Tauziehen mit der Justiz in Bayern entlassen, es folgen Anzeigen u.a. gegen Richter und Gutachter wegen Freiheitsberaubung und Rechtsbeugung.
    Auch der NRV alarmiert in diesem Zusammenhang. Mit Pressemitteilung vom 28.August 2013 warnt der NRV Bayern angesichts der Berichte über die Verfahren „Mollath“ und Bayern-LB vor einer Beschädigung der Bayrischen Justiz. „Das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Justiz ist die Basis des Rechtsstaats“ heißt es dort. Bindung an Gesetze und die Verfassung? Die Verantwortung der Justiz für das Verräumen eines unangenehmen Zeitgenossen? Findet in der Pressemitteilung keine Erwähnung!

    Zum Sachverständigen Prof. Nedopil ist nachvollziehbar, dass er in Ihrem Fall der Retter in der Not war. Das ändert allerdings nichts daran, dass im Fall Mollath die Kritik bedenkenswert ist. Stellen Sie sich vor, sie hätten die Freiheit schon vor der Begutachtung wiedergehabt und in einem Wiederaufnahmeverfahren sollten Sie alles noch einmal „nur eben rechtsstaatlich“ erleben, einschließlich eines psychiatrischen Meinungsgutachten. Denn nichts anderes konnte Prof. Nedopil bei Mollath unter diesen Bedingungen abgeben. Für mich sehr fragwürdig, weil es ja zudem um die Beurteilung eines Zustandes vor mehreren Jahren ging. Ein erheblicher Unterschied zu Ihrem Fall. Das ein Sachverständiger gutachterlich Stellung nimmt, obwohl die Basis dafür fehlt, zeugt von einem eigenwilligen Berufsverständnis. Ebenso könnte ein Pilot auch mit leerem Tank losfliegen, nur weil der Tower die Startzeit vorgibt. Wenn es 6000 Aktenblätter zur Auswertung gab, wäre ein aussagepsychologisches Gutachten wohl auch deutlich wertvoller gewesen. Da sollte man ggf. bei Gesetzesänderungen drüber nachdenken. Ohne im Detail Bescheid zu wissen, sind die Auswertemethoden im Bereich der Aussagepsychologie vermutlich von deutlich höherer Qualität als bei der bloßen „Fleischbeschau“ + Blättern in den Erzählungen.

    Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es zum Einen um die Qualität der Arbeit und Verantwortlichkeit der einzelnen Protagonisten geht, aber andererseits eben auch um strukturelle Mängel. Mich überrascht immer wieder, wie sehr Juristen, Psychiater und Journalisten sich auf angebliche Charaktereigenschaften und ein gesundes (Mittel)Maß der üblichen Vernunft berufen, obwohl dies im Wesentlichen keine gesetzlichen Kategorien sind, sondern offensichtlich als Ersatz für rechtsstaatlich saubere Ermittlungen, faire Verfahrensführung, patientenorientierte Diagnosen und nicht zuletzt objektive Berichterstattung dienen.

    Herzliche Grüsse

    Lutz Lippke

    • Lieber Lutz, 

      danke Dir (waren wir nicht schon beim Du?)!

      Die Löschungspraxis beim Beck-Blog geht tatsächlich an die Substanz der Diskussion und sie nervt – weshalb ich mich auch bei G. Wolff darüber ausgelassen habe: 

      http://gabrielewolff.wordpress.com/2014/07/04/der-fall-gustl-mollath-die-neue-hauptverhandlung/comment-page-3/#comment-40220

      Zur Sache: 

      Je länger ich das verfolge, desto mehr bin ich der Überzeugung, es wäre das beste gewesen, wenn Gustl Mollath sich von Nedopil hätte explorieren lassen. Das ist m.E. eine reine Vertrauensfrage, bei der er nur hätte gewinnen können, eine nochmalige Unterbringung hätte nicht gedroht…

      Die Unterschiede zu meinem „Fall“ sind bewusst. Aber ist es auch bewusst, dass ich zum Zeitpunkt der Begutachtung Neopil unter der direkten und konkreten Bedrohung einer Verurteilung zu Par. 63 StGB (bei voller geistiger Gesundheit, ohne „Straftäter“ zu sein….) im Herbst/Winter 2009 unter genaugenommen größerem Druck stand als Gustl Mollath jetzt in der Wiederaufnahme (wo es faktisch nur um die Deutlichkeit des Freispruchs geht): ein Vorgutachten attestiert mir schwerste Störungen und Prognose zur „Allgemeingefährlichkeit“. Das war der Stand Gustl Mollath zum Zeitpunkt Urteil Brixner!

      Mir – und auch meinem Anwalt und dem Oberarzt der Forensik Lohr – war zu diesem Zeitpunkt klar, dass die Staatsanwaltschaft Würzburg mich MIT ALLEN MITTELN zu Par. 63 StGB verurteilt sehen will!

      Prof. Nedopil kannte ich zu diesem Zeitpunkt nicht, auch konnte ich nicht einschätzen, geprägt und zu dieser Zeit paralysiert von der Irrationalität des Vorgutachters und der Skrupellosigkeit der Staatsanwaltschaft, wie „unabhängig“ dieser Prof. in München tatsächlich von der fränkischen Jusitz und ihren Köpfen ist. 

      Obwohl mein Anwalt und der Oberarzt – die mir jeden Kontakt mit dem Vorgutachter „verboten“ – mir versicherten, dass Nedopil der einzige Weg ist, dieser irrationalen Posse zu entkommen, litt ich  natürlich unter enormen und berechtigten Ängsten, dass ich zu Unrecht dauerhaft weggesperrt werde. 

      Nicht, weil ich dachte, dies sei berechtigt, ich sei „krank“ – sondern weil ich den Tätern mittlerweile alles zutraute (was sich durch den 2. Haftbefehl nach Gutachten Nedopil und die Verweigerung der Entschädigung nach Freispruch bestätigte).

      Das Problem ist tatsächlich die Struktur, der systemische Missbrauch durch Juristen.

      Die Crux ist nur: Prof. Nedopil ist der gleichen Ansicht! Deshalb hätte Gustl Mollath meiner Überzeugung nach nur gewinnen können, wenn er sich Nedopil anvertraut hätte. Dass sich „Unterstützer“ hiergegen mit Händen und Füssen wehren, hat m.E. keinerlei sachliche Basis sondern entspringt jener pauschalen Misstrauenshaltung, die es so schwer macht zu erkennen, wo tatsächlich der Bock begraben liegt.

      Und nochmals: ich bin mir nicht einmal sicher, ob RA Strate so sehr gegen eine Begutachtung bei Nedopil war/ist, wie es öffentlich kundgetan wird und ob aus diesen Gründen….

  3. „5jahrehartz4“ macht auf die nächste Ohrfeige aufmerksam
    (Übertragung von „Antwort“ auf neuen Kommentar – wie gewünscht, ist nur unter eigenem Logo möglich…)

    Modellauto-Affäre: Staatsanwaltschaft beantragt offenbar Aufhebung von Haderthauers Immunität
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/haderthauer-koennte-immunitaet-in-modellauto-affaere-verlieren-a-983402.html
    und das in Bayern? Darf das in Bayern geschehen? Zeitungsente oder nur Reinwaschung? Oder kommt tatsächlich das Gesetz auch bei der ReGIERung an?

  4. Erste längere Auszüge des Gutachtens Nedopil sind veröffentlicht (schon eifrig interpretiert und gewertet):

    http://www.sgipt.org/forpsy/Mollath/ipgipt/wa/Nedopil.htm

    Unter anderem zum MISSBRAUCH von Schriftstücken und Schreiben („Aktenlage“), aus denen selektiv und interessengeleitet in Bayern von Juristen immer wieder – wie bei Herrn Mollath – quasi der „Anfangsverdacht“ für schwere Pathologien „herausgelesen“ wird, den Gutachter nur noch „verifizieren“, wird er deutlich:

    28 Chronologie der Ereignisse:  [Mollaths Schreiben und Reden geben psychopathologisch nichts her  S. 102] 
    „Gleichzeitig muss auch festgestellt werden, dass die Schreiben von Herrn Mollath in sich nicht unlogisch sind, dass sein Vortragsstil bei allen Vorwürfen zumeist sachlich bleibt, dass seine Darstellungen formal gegliedert und nachvollziehbar sind, so dass aus den Schriftsätzen nicht auf Denkstörungen geschlossen werden kann und diagnostische Hypothesen aufgrund der Schreiben von Herrn Mollath aus Sicht des Unterzeichners nicht gerechtfertigt sind. Diese Aussage bedeutet nicht, dass bei Herrn Mollath diagnostische Überlegungen prinzipiell verfehlt wären, sie lassen sich jedoch nicht anhand der Briefe und Schriftstücke von Herrn Mollath verifizieren oder falsifizieren. Selbst eine diagnostische Hypothese, die über die Persönlichkeitsbeschreibung hinausgeht, wäre durch die Form der Schriftsätze nicht gerechtfertigt.“ 

    • “Gleichzeitig muss auch festgestellt werden, dass die Schreiben von Herrn Mollath in sich nicht unlogisch sind, dass sein Vortragsstil bei allen Vorwürfen zumeist sachlich bleibt, dass seine Darstellungen formal gegliedert und nachvollziehbar sind, so dass aus den Schriftsätzen nicht auf Denkstörungen geschlossen werden kann und diagnostische Hypothesen aufgrund der Schreiben von Herrn Mollath aus Sicht des Unterzeichners nicht gerechtfertigt sind. Zitatende

      Aus anderer Sicht heißt das aber auch, dass Bürokratie, Justiz, Politik völlig unfähig oder unwillig ist, sich ernsthaft mit der Thematik zu befassen.
      Die verstecken sich so vor der Realität und wollen einfach ihre kleine enge Welt aufrechterhalten = Konfabulation.

      Da wird klar erkennbar, wer analysiert werden muss.

  5. Auch nett: 

    „Meine Ex nagelt mich an die Wand“ heißt das neue Buch von Catherine Herriger. Es greift das Tabu-Thema Gewalt an Männern auf – und liefert aufschlussreiche Einblicke in die Vorgehensweise von Frauen als Täterinnen…..

    …..“Wie Frauen „zu wahren Hyänen werden können“ hat ein anderer geschiedener Vater erfahren. Die Tochter werde von der Ex so aufgehetzt, dass sie Kontakt verweigere. Eines Tages, so hofft er, könne er ihr endlich die Wahrheit erzählen, wie ihn die Mutter belogen, seine Konten geplündert und mit anderen Männern betrogen habe.“…

    http://www.mz-web.de/nachrichten/catherine-herriger-maenner-opfer-von-frauen,20641290,27894426,item,0.html

  6. Nun amtlich: Prof. Nedopil zeigt – wieder – der bayerischen Justiz die Realität auf: Zitatende

    aufzeigen hilft da nicht, die brauchen das auf altbayrische Art gemorst (mit der groben Keule 🙂

    aber wieder im Ernst: mal sehen wie das alles wieder passend gebogen wird, um die Justiz, Bürokratie, Politik, Bankster weiter zu schützen und weiter zu versorgen.
    Glücklicherweise geht langsam überall das Geld aus und irgendwann sind auch deren Tage gezählt – und dann weiß der Mob sicher genau wo noch volle Vorratskammern und Kühlschränke stehen.

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